Wenn Sprache verhandelt wird: Rat tagte in Südtirol

Rat für deutsche Rechtschreibung tagt in Neustift - Für Südtirol ist die Mitarbeit in diesem Gremium aller deutschsprachigen Länder und Regionen von besonderer Bedeutung

VAHRN (LPA). Das Bildungshaus Kloster Neustift wurde am 7. und 8. Mai zum Schauplatz einer eher leisen, aber wirkungsmächtigen Ebene der Sprache: Der Rat für deutsche Rechtschreibung tagte zum vierten Mal seit seiner Gründung in Südtirol. Was dort beraten wurde, beeinflusst Schulbücher, Verwaltungstexte und den geschriebenen Alltag im gesamten deutschen Sprachraum. Nach Bozen (2009, 2022) und Brixen (2015) fand damit erneut eine Sitzung südlich des Brenners statt. Für Südtirol, seit 2005 Mitglied im Rat der deutschen Rechtschreibung, ist das von besonderem Gewicht. 

"Gerade als Sprachminderheit ist es für Südtirol entscheidend, an der Weiterentwicklung der deutschen Rechtschreibung mitzuwirken und nicht nur deren Ergebnisse zu übernehmen", sagt Landesrat Philipp Achammer, denn: "Sprache ist kein starres System, sondern entwickelt sich ständig weiter und muss daher auch aktiv mitgestaltet werden."

Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist die maßgebende Instanz für orthografische Fragen im deutschen Sprachraum. 41 Mitglieder aus sieben Ländern und Regionen entwickeln die Rechtschreibung behutsam weiter; das von ihm herausgegebene Regelwerk ist verbindlich für Schulen und öffentliche Verwaltung.

Der Direktor der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion Martin Holzner nahm an der Sitzung des Gremiums teil: "Gerade für Schule und Unterricht ist entscheidend, dass die Rechtschreibung nachvollziehbar und vermittelbar bleibt. Das aktuelle Regelwerk verbindet Orientierung mit Nähe zum aktuellen Sprachgebrauch", unterstreicht er.

Nachdem im Jahr 2023 ein neues Regelwerk verabschiedet wurde, arbeitet der Rat derzeit an verschiedene Themen, um die Regelungen angesichts des fortlaufenden Sprachwandels zu präzisieren und weiterzuentwickeln. Ein Beispiel ist die Groß- und Kleinschreibung. Ziel des Rates ist es, Regeln konzeptionell klar zu begründen und darzustellen – ohne ihre Verständlichkeit aus dem Blick zu verlieren. 

Für Südtirol erhält diese Arbeit eine besondere Bedeutung. Sprache ist hier nicht nur Kommunikationsmittel, sondern Teil kultureller Identität. Die Mitarbeit im Rat ermöglicht es, die Verbindung zum deutschen Sprachraum aktiv mitzugestalten. 

Als der Rat in Neustift zusammentraf, ging es daher nicht nur um Kommas und Schreibweisen. Es ging um die Balance zwischen Wandel und Verlässlichkeit.  Oder, anders gesagt: Was hier beraten wurde, steht morgen in den Schulbüchern und Heften. 

red/mac