Veranstaltungen

Tagung Ethik und Kommunikation am Lebensende - 29. Oktober 2016

Im Umgang mit Menschen am Lebensende ist es wichtig, deren besondere Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen und sich bei daraus entstehenden Problemen um eine Lösung zu bemühen. Die Tagung des Landesethikkomitees beschäftigt sich mit allen Aspekten rund um die Kommunikation am Lebensende.

Die Tagung findet im Kolpinghaus in Bozen statt. Der Vormittag von 8.30 bis 12.45 Uhr richtet sich an das Fachpersonal. Das Nachmittags-Programm richtet sich dann neben dem Fachpersonal insbesondere auch an die Bevölkerung. 

Auch in Südtirol treibt viele Menschen die Frage um, wie sie im Falle einer schweren Erkrankung behandelt werden sollen, insbesondere, wenn sie zu dem Zeitpunkt nicht mehr selbst für sich entscheiden können. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten stellen diese Entscheidungssituationen ebenfalls eine besondere Herausforderung dar. Aus diesem Grund greift das Landesethikkomitee unter dem Präsidenten Primar Herbert Heidegger das Thema erneut mit einer Fachtagung am 29.10.16 im Kolpinghaus in Bozen auf, die Orientierung und Hilfestellung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich sowie die Bürgerinnen und Bürger bieten soll.

Programm.

Gemäß dem Tagungstitel „Ethik und Kommunikation am Lebensende" soll vor allem die Bedeutung des Gesprächs für eine gute Entscheidungsfindung im Interesse der Betroffenen im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen.

Für die Bürgerinnen und Bürger wird es konkrete Informationen geben, wo und wie man sich als selbst Betroffener oder Angehöriger Unterstützung und Hilfestellung holen kann. Das Programm bietet den Teilnehmern zudem Raum, konkrete Fragen an die Fachreferentinnen und Fachreferenten zu stellen.

Am Vormittag sind zunächst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeladen, sich zunächst über die Möglichkeiten einer gelungenen Kommunikation zwischen Patient und Gesundheitspersonal sowie innerhalb des Teams zu informieren und anschließend zu erfahren, wie eine gemeinsam getragene Therapieentscheidung in der letzten Lebensphase gelingen kann. Hierbei werden Fragen der Palliativversorgung ebenso angesprochen wie die Möglichkeiten einer Ethikberatung und die Vorausplanung von Behandlungsentscheidungen mittels einer Patientenverfügung. Zudem werden juristische Fragen des Verzichts auf lebensverlängernde Behandlungsmaßnahmen diskutiert.

Das Nachmittags-Programm richtet sich dann neben dem Fachpersonal insbesondere auch an die Bevölkerung: Wie kann ich mit einer Patientenverfügung für zukünftige Behandlungsentscheidungen vorsorgen, wenn ich diese dann aufgrund meiner Erkrankungen selbst nicht mehr treffen kann? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind bei den Entscheidungen über lebensverlängernde Maßnahmen zu berücksichtigen? Welche Möglichkeiten bietet die Palliativmedizin nicht nur am Lebensende? Was kann die Sachwalterschaft dazu beitragen, dass ich auch bei Verlust der Entscheidungsfähigkeit noch so behandelt werde, wie ich mir das wünsche? Das Ethikkomitee freut sich auf einen lebendigen und fruchtbaren Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürgern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gesundheitswesens zu den ethischen Herausforderungen am Lebensende!

Die Sorge um ein menschenwürdiges Sterben 5.-14. November 2003

Palliativmedizin (der sterbende Mensch, begleitet in seiner Gesamtheit)

Dr. Bernhard Greiling, Leiter der Palliativabteilung des Krankenhauses Eutin, Schleswig Holstein Bozen., 5.11.2003
Unter Palliativmedizin ist die ganzheitliche Betreuung schwerkranker Menschen in der Sterbephase zu verstehen. Sie berücksichtigt medizinische, soziale, religiöse und kulturelle Aspekte gleichermaßen.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören vor allem das Streben in Schmerzfreiheit, die Erhaltung körperlichen Wohlbefindens soweit es die Grundkrankheit zulässt, das Vermindern von Angst, und die Einbeziehung der Familie und des Freundeskreises des Patienten in diese Lebensphase. 

Euthanasie

Prof. Dr. Karl Golser, Dekan der Theologisch-philosophischen Hochschule Brixen
Bozen, 7.11.2003
In diesem Begriff verbirgt sich der Aspekt „guter Tod" bis hin zum Albtraum des „getötet werden". Im Rahmen der Autonomie hat der Mensch nicht nur das Recht und Pflicht sein Leben, sondern auch über das Lebensende bewusst zu gestalten. Wenn sich dieser Prozess von jeder christlichen Einstellung losgelöst vollzieht, führen vermehrt finanzielle und soziale Zwänge dahin, den Menschen am Lebensende nur nach seinem Nutzen zu beurteilen. Aus der Einsicht dieser materiellen Nutzlosigkeit kann die Entscheidung für einen gewollten und selbst herbeigeführten Tod folgen. Wer aber den Tod auch in seiner religiösen Dimension erkennt, durchtrennt die Möglichkeit der Zwiesprache mit Gott auch in dieser Lebensphase nicht.

Patientenautonomie (Wie möchte ich sterben? Selbstbestimmtes Leben, Selbstbestimmtes Sterben)

Dr. Oswald Mayr, Primar der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin, Sanitätsdirektor, Krankenhaus Bozen
Bruneck, 12.11.2003

Wie in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen, so hat auch im medizinischen Bereich die Selbstbestimmung einen hohen Stellenwert erreicht. Das Wort „Autonomie" setzt sich aus den Worten „Selbst" und „Recht" zusammen. Selbstbestimmung setzt Informiert-Sein und Verantwortung für sich selbst voraus. Eingebettet ist dieser persönliche Spielraum in einen rechtlichen Rahmen. Die Patientenautonomie ist eine große Errungenschaft, die jedoch nicht vom Extrem der pateranalistischen Patientenbetreuung in das Gegenteil umschlagen darf, das Alleingelassen - Sein mit sich selbst und seiner Entscheidung.

Künstliche Ernährung am nicht einwilligungsfähigen Patienten (Soll der demente Patient künstlich ernährt werden?)

Dr. Günther Donà, Primar der Abteilung für Geriatrie, Krankenhaus Bozen
Brixen, 14.11.2003

Das Recht auf Ernährung ist ein fundamentales Grundrecht. Es darf keinem verweigert werden, unabhängig von seiner Urteilsfähigkeit.
Die Unmöglichkeit der Nahrungsaufnahme ist nicht isoliert, sondern als Teil einer komplexeren Krankheit zu sehen. Deshalb muss im Einvernehmen mit den engen Angehörigen, dem medizinisch Sinnvollen, dem Zumutbaren und im Einklang mit der vorangegangenen Geisteshaltung des Patienten entschieden werden, inwieweit eine künstliche Ernährung durchzuführen ist oder nicht.