Vertiefung des Themas

Der Fortschritt in Medizin und Wissenschaft macht vieles möglich, was bis jetzt unvorstellbar war. Dies wirft aber auch viele Fragen und Probleme auf. Mehr Wissen fördert sachliche Diskussion und verantwortungsvolle Entscheidungsfindung.

Daher bietet das Landesethikkomitee Informationen über medizinische, rechtliche und ethische Aspekte der brennendsten Fragen zum Thema „Lebensbeginn".

Fragen

Postkoitale Verhütung

Welche Anwendungsmöglichkeiten der „Pille danach“ gibt es?
  1. Östrogen/Gestagenmethode nach Yuzpe
    Bei dieser Form der „Pille danach" werden zwei Hormone die miteinander kombiniert sind (ein Östrogen und ein Gelbkörperhormon) verwendet.
    Man stellt sich vor, dass die Hormone zu einer Störung der Einnistungsvorgänge führen. Wenn diese Hormone vor dem Eisprung eingenommen werden, kann man annehmen, dass dieser nicht mehr stattfindet. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen sind Übelkeit (54%) und Erbrechen (16%). Ein Versagen dieser Yuzpe-Methode muss in 0,2-7,4% angenommen werden.
    Entscheidend für die Wirksamkeit ist der Abstand zwischen dem ungeschützten Verkehr und der Einnahme der „Pille danach".
  2. Seit kurzem wird ein Medikament verwendet das nur mehr aus einem Gelbkörperhormon (Levonorgestrel) besteht.
    Es werden zwei Tabletten gleichzeitig möglichst innerhalb der ersten 48 Stunden eingenommen.

Der Wirkmechanismus ist hier nicht bis ins letzte Detail geklärt.
Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Eileiterbeweglichkeit vermindert ist, sodass die günstigen Bedingungen für die Einnistung nicht mehr vorhanden sind, und damit die Entwicklung einer Schwangerschaft in der Gebärmutter nicht mehr möglich ist.
Bei Anwendung kurz vor dem Eisprung kann auch hier von einer Hemmung des Eisprunges ausgegangen werden.
Bei dieser zweiten Methode sind die Nebenwirkungen im Vergleich zur Yuzpe-Methode deutlich geringer. Die Versagerquote liegt bei ca. 1% .
In Italien ist diese Methode für diese Indikation auch seit einigen Jahren zugelassen.

Risiken

Man ist sich einig, dass ungewollte Schwangerschaften vermieden werden sollen und damit die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche gesenkt wird. Dies kann man durch Einnahme der „Pille danach" auch erreichen. Es muss jedoch sorgfältig geprüft werden, ob Frauen durch Nebenwirkungen bei der Einnahme der „Pille danach" gefährdet werden. Die Nebenwirkungen bei Einnahme der „Pille danach" sind äußerst gering, jedoch muss das Risiko einer Eileiterschwangerschaft beachtet werden.

Rezeptfreie Abgabe?

In der letzten Zeit wurde auch eine heftige Diskussion geführt über die rezeptfreie Abgabe der „Pille danach" in Apotheken.
In mehreren Ländern, wie in den USA, Großbritannien, Schweden usw. ist der Weg zum Arzt nicht mehr notwendig. Als Argument wird der Rückgang der Zahl der Schwangerschaftsabbrüche bei Teenagern angeführt, wo der Weg zum Arzt noch immer als Hemmschwelle empfunden wird.
Die Einnahme der „Pille danach" ist technisch zwar einfach, trotzdem sollte das Gespräch mit einem Arzt gesucht werden. Im Einzelfall können auch schwierige psychisch-soziale Probleme vorliegen. Ein Beratungsgespräch kann hier sicher Hilfe bieten. Diese Beratung ist nur schwer durch einen entsprechenden Beipackzettel zu ersetzen.

Ethische Überlegungen

Aus ethischen Gründen wird die „Pille danach" unter anderem von den christlichen Kirchen, im Islam und im Judentum abgelehnt, da für sie das menschliche Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt und nicht erst mit der Einnistung. Unter dieser Perspektive stellt die Verwendung der „Pille danach" die Tötung menschlichen Lebens dar.
Der Begriff einer postkoitalen Kontrazeption („Pille danach") kann nicht über den Umstand hinwegtäuschen, dass es sich im Einzelfall um die Auslösung eines Abortes vor Eintreten der Einnistung handelt.

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Die Frage der Woche

In Italien soll es zur Zeit über 30.000 Embryonen geben, die in den verschiedenen Fortpflanzungszentren eingefroren („kryokonserviert") sind. Was soll mit diesen geschehen?

Die Gesetzeslage

Laut dem Gesetz Nr. 40/2004, das im Frühjahr 2004 in Kraft getreten ist, ist im Artikel 14 eine Einfrierung („Kryokonservierung") der Embryonen generell verboten. Es dürfen nur so viele Embryonen erzeugt werden, als für deren nachfolgende Übertragung in die Gebärmutter erfordert sind, auf alle Fälle nicht mehr als drei. Nur wenn auf Grund einer bei der Erzeugung der Embryonen noch nicht vorhersehbarerer Erkrankung der Frau eine Übertragung in die Gebärmutter nicht möglich ist, dürfen diese Embryonen bis zum nächst möglichen Datum für eine Einpflanzung eingefroren werden.
Insofern dürften für die Zukunft nur mehr wenige Embryonen, und diese nur für kurze Zeit, eingefroren werden.
Die vielen oben genannten eingefrorenen Embryonen kommen aus der Zeit, in der es in Italien noch kein Gesetz gab, das die medizinisch assistierte Fortpflanzung geregelt hat.
Hier muss man zwei Typen unterscheiden:
Die größere Zahl der Embryonen sind jene, die auf der Warteliste stehen für künftige Einpflanzungen in die betreffenden Frauen, die in Behandlung für eine medizinisch assistierte Fortpflanzung stehen.
Eine kleinere Zahl gehört aber zur Gruppe der „verwaisten Embryonen". Die Fortpflanzungszentren waren hier nach mehrmaligen Versuchen nicht mehr in der Lage, den Kontakt mit den Eltern herzustellen, oder sie besitzen sogar eine schriftliche Erklärung der betreffenden Eltern, dass sie sich diese nicht mehr einpflanzen lassen wollen.

Was soll mit den verwaisten Embryonen geschehen?

Das Gesundheitsministerium hat in seinen Richtlinien zur Durchführung des Fortpflanzungsgesetzes (veröffentlicht in der Gazzetta della Repubblica vom 16.8.2004) vorläufig verfügt, dass sie an einem zentralen Ort auf Kosten des Staates eingefroren aufbewahrt werden sollen.
Es ist nicht angegeben, wie lange diese Einfrierung erfolgen kann, denn es ist so, dass die „Lebendigkeit" der Embryonen mit der Zeit abnimmt. Deshalb verfügen einige ausländische Staaten, dass sie nach zwei oder nach fünf Jahren vernichtet werden sollen.
In einem früheren Gesetzestext, der von der Abgeordnetenkammer in der 13. Legislatur angenommen worden war aber dann verfallen ist, war noch die Rede davon gewesen, dass man solche Embryonen „zur Adoption" freigeben könnte, dass also Paare sich melden könnten, die bereit sind, sich diese Embryonen einpflanzen zu lassen. Das neue Gesetz sieht diese Möglichkeit nicht mehr vor, die auch ethisch in Abwägung der verschiedenen Konsequenzen nicht unproblematisch ist.
Eine andere Möglichkeit, auf die oft hingewiesen wird, bestünde darin, diese verwaisten Embryonen der Forschung zur Verfügung zu stellen. Man könnte aus ihnen embryonale Stammzellen gewinnen, an die viele Hoffnungen für künftige Therapien geknüpft werden. Man könnte das Argument nachvollziehen, das eben besagt: wenn sie sowieso sterben müssen, dann wäre damit zumindest einem guten Zweck gedient.

Unterscheidung unter ethischer Rücksicht

Unter ethischer Rücksicht müssen aber zwischen zwei unterschiedliche Tatbestände gesehen werden:

  • Wenn ein Embryo unter den Umständen, die für seine Weiterentwicklung nicht förderlich sind - Einfrieren über lange Zeit oder Auftauen, ohne ihn einzupflanzen - dann abstirbt, so geschieht dies aufgrund natürlicher Faktoren - er kann von sich aus nicht mehr weiterleben. Das Problem ist hier am Anfang: Man hätte solche Embryonen, die dann eingefroren werden ohne in nächster Zeit bestehende Aussicht auf Einpflanzung, nicht erzeugen dürfen.
  • Wenn ein eingefrorener Embryo aber der Forschung überlassen wird, dann wird er durch menschlichen Eingriff direkt getötet. Der Unterschied ist im Grunde derselbe, wie wenn jemand auf einem Berghang durch einen natürlich abgegangenen Steinschlag umkommt (man könnte hier nur fragen, ob man den Hang nicht besser hätte absichern können) oder ob jemand direkt durch einen willentlich geworfenen Stein getötet wird.
Das Verbot der Forschung an Embryonen

Das neue italienische Gesetz Nr. 40/2004 verbietet im Artikel 13 ausdrücklich eine Verwendung von Embryonen für die Grundlagenforschung. Jegliche Experimente an menschlichen Embryonen sind untersagt. Klinische Forschung und Versuche an Embryonen wären nur erlaubt, wenn sie unmittelbar der Diagnostik und der Therapie der betreffenden Embryonen selbst dienen.
Insofern ist auch eine Präimplantationsdiagnostik nicht erlaubt, auf Grund derer dann kranke oder genetisch defekte Embryonen aussortiert werden könnten.
Bloß durch Beobachtung kann festgestellt werden, ob Embryonen sich normal entwickeln. Voraussichtlich nicht lebensfähige Embryonen brauchen nicht implantiert zu werden.

Der Status des menschlichen Embryo
  1. Der Embryo ist ein Mensch im Anfangsstadium
    Der Grund für eine solche konsequente Haltung liegt darin, dass der Gesetzgeber davon ausgeht, dass menschliche Embryonen den Status eines menschlichen Subjektes besitzen, dessen Lebensrecht geschützt bleibt (Art. 1 des Gesetzes).
    Der ethische Grund liegt darin, dass ab der Verschmelzung von weiblichem Ei und männlichem Sperma es sich um einen sich aus eigener Dynamik entwickelnden Organismus handelt, der eindeutig menschlich ist und genetisch verschieden von Vater und Mutter (Argument der Identität und der Potentialität).
    Es gibt eine Kontinuität in dieser Entwicklung, so dass Zäsuren, ab denen man sagen könnte, vorher war es kein Mensch, nun ist es ein Mensch, willkürlich sind (Argument der Kontinuität). Aus dieser Logik heraus wird gefolgert, dass es sich von Anfang an um einen Menschen im Stadium eben eines Embryos handelt.
  2. Der Embryo ist menschliches Leben, aber noch nicht eine menschliche Person
    Es gibt daneben auch andere ethische Positionen, welche dem Embryo am Anfang einen minderen Status zuweisen, dass es sich bei ihm zwar um menschliches Leben handelt, aber noch nicht um einen Menschen, dass also erst allmählich mit der Entwicklung ein Mensch entsteht. Wo aber wird der Einschnitt gesetzt? Dies geht nach einigen Ethikern sogar so weit, dass nicht einmal schon geborenen Kindern der volle Status einer menschlichen Person zuerkannt wird.

Der grundlegende Unterschied zwischen den Positionen liegt darin, dass die einen das Personsein des Menschen an bestimmte Qualitäten und Leistungen knüpfen, während die anderen der traditionellen Überzeugung sind, dass jeder und jede, die zur Gattung Mensch gehört, auch eine menschliche Person ist bzw. als solche anzusehen und zu behandeln ist.

Referendum zur völligen oder partiellen Abschaffung des Gesetzes bzw. neuere Gesetzesvorschläge, um ein Referendum zu verhindern

Im Sommer 2004 wurden Unterschriften gesammelt für fünf verschiedene Referendum, welche zum einen das Gesetz Nr. 40/2004 ganz abschaffen wollen oder einzelne Bestimmungen dieses Gesetzes. Bis Ende September wurde die nötige Zahl von Unterschriften, die noch überprüft werden müssen, erreicht; ebenso muss das Verfassungsgericht dann auch entscheiden, ob die Referenden zulässig sind. Auf der anderen Seite, gerade um ein Referendum zu vermeiden, hat man im Parlament verschiedene Gesetzesvorschläge eingereicht, damit das Parlament selbst in der zur Verfügung stehenden Zeit noch substantielle Änderungen am Gesetz vornehmen kann, um so die Referenden hinfällig zu machen.
Sowohl die vorgeschlagenen Texte für das Referendum wie die eingereichten Gesetzesvorschläge betreffen den Status des menschlichen Embryo, der nicht mehr so konsequent als Mensch im Anfangstadium angesehen wird und somit den entsprechenden Lebensschutz genießt. Es ist abzuwarten, wie sich die Gesetzeslage in Italien entwickelt. Aber die oben vorgelegten ethischen Überlegungen behalten ihren Wert, auch wenn sie nicht mehr die Mehrheit finden sollten, um in ihren Konklusionen auch gesetzlich umgesetzt zu werden.

 

Die Frage der Woche

Genetische Präimplantationsdiagnostik: auf dem Weg zur Selektion?

Was ist die genetische Präimplantationsdiagnostik? Selektionsinstrument? Prävention der Abtreibung? Selektion von Stammzellspendern?

Der Fall

Im März 2004 wandte sich ein gesundes Ehepaar, beide Träger von Beta-Thalassämie (*1), in der Sorge, das Krankheitsgen auf ihr zukünftiges Kind zu übertragen, an ein Spezialzentrum, um sich einer Präimplantationsdiagnostik zu unterziehen, und bat auf Grund der Ergebnisse, die als krank diagnostizierten Embryonen einzufrieren (*2) und nur gesunde Embryonen in die Gebärmutter einzupflanzen. Da die Gesetzgebung (*3) (Artikel 4 und Artikel 14, Absatz 2, Gesetzestext vom 19.02.2004, N.40) die medizinisch assistierte Fortpflanzung nur als Hilfsmittel bei Sterilität eines Ehepaares vorsieht, nicht aber, um unter zukünftigen Kindern gesunde und kranke auszuwählen und letztere zu eliminieren, vielmehr (Artikel 14) die Implantierung aller produzierter Embryonen vorsieht, wandte sich das Ehepaar unter Berufung auf das Recht der Mutter und des zukünftigen Kindes auf Gesundheit an das Gericht von Catania wegen einer entsprechenden „Entscheidung", um eine bewusste und verantwortungsbewusste Schwangerschaft zu erreichen. Das Gericht von Catania wies unter Anwendung des Gesetzes den Antrag des Ehepaares zurück.

(*1) Beta-Thalassämie ist eine Erbkrankheit, die eine fehlerhafte Hämoglobinproduktion und damit eine Anämie zur Folge hat. Ohne Therapie kann sie im Alter von 3 bis 6 Jahren zum Tode führen. Bei einer Vereinigung zweier gesunder Eltern, die Träger des Krankheitsgens sind, liegt die Wahrscheinlichkeit, kranke Kinder zu bekommen, bei 25%.
(*2) Die Kryokonservierung besteht in der Unterbrechung des Lebensprozesses (stoppt das Leben) eines Subjektes in Hinblick auf eine spätere Verwendung.
(*3) Der allgemeine Geist des Gesetzes 40 ist auf das grundlegende Prinzip ausgerichtet, dass alle Embryonen dazu bestimmt sein sollen, geboren zu werden, folglich die Möglichkeit zum Leben zu erhalten. Daraus ergibt sich das allgemeine Verbot der Vernichtung und Experimente mit Lebewesen kurz nach der Empfängnis (Artikel. 13, Absatz 1, und Artikel 14, Absatz 1); die Verpflichtung zu einer einzigen und sofortigen Einpflanzung, und zwar derart, dass keine überzähligen Embryonen „übrigbleiben" können (Artikel 14, Absatz 2); die Möglichkeit der Einfrierung nur im Ausnahmefall; die Möglichkeit klinischer und experimenteller Forschung an Embryonen nur zum Schutze der Gesundheit und der Entwicklung des Embryos selbst ( Artikel 13, Absatz 2); das Verbot von Handlungen selektiven Charakters (Artikel 13, Absatz 2).

Was ist die genetische Präimplantationsdiagnostik

Es handelt sich dabei um diagnostische Techniken, um genetische Defekte bei in-vitro erzeugten Embryonen zu erkennen. Diese Techniken können in der Zukunft für die Therapie von Anomalien der Embryos eingesetzt werden. Heute dienen diese Untersuchungen dazu, nur Embryonen ohne Gendefekte für die Implantierung in die Gebärmutter auszuwählen. Krankheiten wie die zystische Fibrose, Hämoglobinopathie, Sichelzellenanämie, progressive Muskeldystrophie Typ Duchenne und Typ Becker, Hämophilien und noch weitere Krankheiten können vermieden werden, indem gesunde Embryonen ausgewählt werden.

Überlegungen

Kann die Präimplantationsdiagnostik als eine Art „Prävention" der Abtreibung angesehen werden?
Die Abtreibung wird von der Mutter, da sie emotional und physisch mehr beteiligt ist, sehr viel stärker empfunden als der Entschluss zur Selektion von anderer Seite. Die Abtreibung ist ein Verfahren, das als „Tötung" eines belasteten Foetus begriffen wird. Der Antrag auf eine extrakorporale Befruchtung, verbunden mit Selektion, wird dagegen als Entscheidung angesehen, (die gesunden Embryonen) „leben zu lassen" und (die kranken Embryonen) „sterben zu lassen".
Das Gericht von Catania bestätigt jedoch in bezug auf den Hinweis der Antragsteller auf das Gesetz über die freiwillige Schwangerschaftsunterbrechung (Gesetz 194/1978), dass es der Mutter nicht deswegen einen Schwangerschaftsabbruch erlaube, weil sie nicht die Geburt eines kranken Kindes oder um jeden Preis die Geburt eines gesunden Kindes wolle. Die Behauptung, es bestehe ein „Recht" der Frau, Kinder grundsätzlich wegen einer Krankheit abzutreiben, müsse als rechtlich unbegründet zurückgewiesen werden und sogar noch mehr die Behauptung, dass es ein solchen Rechte bereits vor einer Schwangerschaft gebe.

Präimplantationsdiagnostik mit dem Ziel, physische Charaktermerkmale des zukünftigen Kindes auszuwählen.
Robertson schreibt: „Jede Art der Selektion oder Manipulation verwandelt das Kind in ein Produkt... Häufigkeit und Zweck der genetischen Selektion zukünftiger Kinder zu fördern, treibt uns in eine eugenische (*) Welt, in der Kinder mehr wegen ihres Genotyps als wegen ihrer wesentlichen Charaktereigenschaften geschätzt werden und öffnet den Weg in eine Welt von Designerbabys, in der die technische Erzeugung von Kindern zur Routine wird.
Gewiss ist das Verlangen, ein gesundes Kind zu haben, mehr als legitim. Dennoch muss man sich fragen, wie sehr es ethisch richtig ist, „ein Wohl" (die Gesundheit) mittels einer Handlung zu erreichen, die „ein schweres Übel" (nach jeder Selektion die Vernichtung eines oder mehrerer menschlicher Subjekte in den ersten Entwicklungsstadien) einschließt. In dieser Hinsicht muss über die Würde des Embryos nachgedacht werden, weil sich das Problem völlig anders darstellt, je nachdem, ob man den Embryo nur als einen verfügbaren Zellhaufen oder als ein menschliches Individuum im Entwicklungsstadium betrachtet, das die gleiche Würde und die gleichen Rechte wie jedes andere menschliche Individuum besitzt. Der letztere Standpunkt bedeutet, dass kein menschliches Individuum auf Grund seiner „Qualität" bewertet, ausgewählt, sterben gelassen oder beseitigt werden kann.

Kann die Präimplantationsdiagnostik dazu dienen, Spender von Stammzellen auszuwählen?
Mit Marissa Ayala wurde 1989 zum ersten Mal eine Schwangerschaft mit dem Ziel geplant, Stammzellen zu gewinnen, die mit ihrer Schwester Anissa kompatibel waren. Von zahlreichen vergleichbaren Fällen wird in der Literatur berichtet.
Kant betont, dass man „niemals eine Person nur als Mittel benutzen dürfe, sondern immer zugleich als Selbstzweck achten müsse". Lässt es sich rechtfertigen, ein Kind zum Wohl eines anderen hervorzubringen, indem man es mit einem bestimmten Ziel ins Leben ruft? Lässt es sich rechtfertigen, ein Kind zur Welt zu bringen mit einem anderen Ziel als seinem eigenen Wohl?
(*) Eugenik heißt jener Zweig der Genetik, der auf dem Wege der Kreuzung oder der Selektion von Individuen, die genetisch günstige Charaktereigenschaften besitzen, eine zunehmende Verbesserung der menschlichen Spezies erreichen will.

Der katholische Standpunkt

Die Kongregation für die Glaubenslehre schreibt in einem ihrer Dokumente von 1987 mit dem Titel „Die Achtung vor dem beginnenden Leben und die Würde der Fortpflanzung": „Wenn die Pränataldiagnose das Leben, die Integrität des Embryos und des menschlichen Fötus' respektiert und sich an seinem Schutz oder an seiner individuellen Heilung orientiert, fällt die Antwort zustimmend aus. Es ist jedoch zu verurteilen..., wenn sich schwangere Frauen zu ihr entschließen und sich ihr mit dem Ziel unterziehen, die belasteten Föten, seien sie Träger von Missbildungen oder Erbkrankheiten, zu beseitigen.

Der weltliche Standpunkt

Der weltliche Standpunkt behauptet, dass die Entscheidung für den grundsätzlichen Schutz des Embryos die Rechte des Ehepaars und der Frau gefährdet. Nicht nur das Recht der Frau auf Gesundheit würde dadurch aufs Spiel gesetzt, sondern an erster Stelle das Prinzip der Selbstbestimmung. Von diesem Standpunkt werden das neue Gesetz und seine Verteidigung des Embryos für überaus fragwürdig erklärt. Sich einer genetischen Präimplantationsdiagnostik zu unterziehen und dann eine Selektion der gesunden Embryonen vorzunehmen, um sie in der Gebärmutter zu implantieren, wird als ein Verfahren angesehen, das Leiden an einer Erbkrankheit oder die Durchführung einer Abtreibung zu vermeiden. Keine Bedenken bestehen gegen die Konservierung oder Zerstörung kranker Embryonen, denen nicht die Würde einer Person als Rechtssubjekt zuerkannt wird, sondern die nur als ein Zellhaufen oder als ein Objekt angesehen werden.

Das Gutachten des Landesethikkomitees

„...Das Landesethikkomitee wird von einem Personenverständnis inspiriert, das nicht nur aus einer Summe genetischer Eigenschaften besteht, sondern sich vielmehr auf den Respekt vor allen Menschen gründet, einschließlich der Träger geistiger, psychischer und physischer Behinderungen. Dieses Personenverständnis begrenzt notwendigerweise die Anwendung der genetischen Präimplantationsdiagnostik und bekräftigt gleichzeitig die klare Absage an jede Art von Selektion und eugenischer Tötung, da nach dem Prinzip des prinzipiellen Embryonenschutzes die genetische Präimplantationsdiagnostik grundsätzlich verboten sein sollte, sofern mit ihr eine Selektion der Embryonen und bei Bedarf ihre Vernichtung erlaubt ist.
(Für den ganzen Text siehe auf der Webseite das Dokument: „Das Gutachten des Landesethikkomitees über den Gebrauch von Stammzellen mit besonderem Bezug auf die Präimplantationsdiagnostik". Dieses Dokument wurde 2002 beschlossen, also noch vor dem Gesetz 40; es lässt in seiner Argumentation die Möglichkeit offen, diese Methode nur in speziellen Fällen und nach intensiven Beratungen und eingehenden Informationen anzuwenden).

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Zwei Rechtsansprüche, die sich gegenseitig widersprechen können

Zwei Rechtsansprüche, die sich gegenseitig widersprechen können:

  • Gesundheit der Frau und
  • der Schutz des Zeugungsproduktes.

Rechtliche Grundlagen, Grenzen, ethische Überlegungen; ist eine solche Entscheidung zulässig?

Das italienische Gesetz sieht einen freiwilligen Schwangerschaftsabbruch unter bestimmten Voraussetzungen und Bedingungen vor. Damit brachte der Gesetzgeber zum Ausdruck, dass in bestimmten Fällen zwei Rechtsansprüche im Widerstreit stehen, folglich ist der gleichzeitige Schutz beider unmöglich.
Das Problem einer Entscheidung zwischen dem Schutz zweier Rechtsansprüche, die beide einen hohen ethischen Stellenwert besitzen, bleibt ungelöst.

Der freiwillige Schwangerschaftsabbruch

Die beiden Ausdrücke „freiwilliger Schwangerschaftsabbruch" und „Abortus" werden oft als Synonyme verwendet. In Wirklichkeit jedoch handelt es sich bei dem Abortus um den Abgang eines nicht lebensfähigen Fötus; dieser kann spontan erfolgen, also aufgrund irgendwelcher Störungen im Bereich der Mutter oder des Zeugungsproduktes selbst; der Abgang kann aber auch aus den verschiedensten Beweggründen und auf verschiedene Art bewusst erzwungen werden.
Das Problem des freiwilligen Schwangerschaftsabbruches besteht seit Menschen Gedenken. Darüber wurden auch seit jeher ethische Diskussionen geführt, auf dem Hintergrund des allgemein anerkannten Prinzips, dass eine Tötung menschlichen Lebens unzulässig sei.
In jüngerer Zeit und vor allem in der modernen Gesellschaft fand die Auseinandersetzung mit verschiedenen kulturellen Ansätzen und unter verschiedenen Blickwinkeln statt. Dies führte in der Folge dazu, dass in zahlreichen Ländern mit Gesetz festgelegt wurde, unter welchen Bedingungen und Umständen ein freiwilliger Schwangerschaftsabbruch vorgenommen werden darf.

Die Gesetzeslage

Folgende Prinzipien liegen im Allgemeinen den gesetzlichen Bestimmungen zugrunde:

  • Verminderung/Vorbeugung der illegalen Schwangerschaftsabbrüche sowie der Kindsmorde und Aussetzungen von Kindern.
    Das Problem des illegalen Schwangerschaftsabbruches ist vielschichtig: man bedenke bloß, dass dieser auch in Ländern, wo eine Abtreibung gesetzlich zulässig ist, immer noch praktiziert wird. Zu vielschichtig sind die Hintergründe, die überlieferten gesellschaftlichen Zwänge, bürokratische Hindernisse, der Wunsch nach Diskretion usw.
  • Die Achtung und die Aufwertung der Autonomie der Person.
    Dieses ethische Prinzip gründet auf der Würde des Menschen als solchem und schließt das Recht jedes Einzelnen auf eine freie und autonome Entscheidung über gesundheitliche Maßnahmen an seiner Person mit ein. Auf der Basis dieses Prinzips wird der Frau die Möglichkeit gewährt, eine Schwangerschaft zu unterbrechen, die ihre körperliche oder seelische Gesundheit gefährden könnte.

In Italien wird der freiwillige Schwangerschaftsabbruch durch das Gesetz Nr. 194 vom 22.Mai 1978 „Bestimmungen über den Schutz der Mutterschaft und über den freiwilligen Abbruch der Schwangerschaft" geregelt.
Diese Gesetz betont vor allem das Recht auf eine bewusste Fortpflanzung und die Aufwertung der Mutterschaft; gleichzeitig werden die Situationen und Umstände festgelegt, unter denen die Frau den Abbruch der Schwangerschaft in dazu ermächtigen Strukturen des Gesundheitsdienstes vornehmen lassen kann.
Der Eingriff muss jedoch immer zum Schutz der Gesundheit der Schwangeren vorgenommen werden; das Recht auf Gesundheit überwiegt laut Gesetzgeber in bestimmten Fällen gegenüber dem Recht auf das Leben des Embryos. Letzterem wird somit effektiv ein geringerer Stellenwert zugeschrieben, jedenfalls so lange, bis er nicht einen Reifegrad erreicht hat, ab dem er zu einem selbständigen Leben fähig ist. Ist dieser Zustand erreicht, erfolgt die Abwägung der beiden Werte in Bezug auf das Leben der Frau, nicht mehr nur auf ihre Gesundheit.

Der freiwillige Schwangerschaftsabbruch als ethisches Problem

Der Kern des Problems liegt in der Frage nach der Natur des Embryos, ob das Produkt der Zeugung ab dem Zeitpunkt der Verschmelzung des männlichen und weiblichen Zellkerns als Person gilt, oder, weiter gefasst, als Anlage zum menschlichen Wesen, als Projekt zum Menschen, zur Persönlichkeit und zur Individualität.
Dieser Frage kommt eine grundlegende Bedeutung zu, hängt doch von der jeweiligen Antwort die Entscheidung über die Zulässigkeit der Tötung des Embryos ab.
Auch das Nationale Ethikkomitee konnte in seinem Dokument vom 22. Juni 1996 „Identität und Status des menschlichen Embryos" nicht zu einer einheitlichen Stellungnahme finden. Diese heikle und entscheidende Frage nach der Anerkennung des Zeugungsproduktes als Person von Anfang an wurde offengelassen.

Die wichtigsten ethischen Positionen

Zusammengefasst lassen sich drei vorherrschende ethische Positionen festhalten:

  • Jene Position, welche aufgrund der Anerkennung der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens vom ersten Augenblick an die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruches ausschließt , abgesehen von jenen Fällen, wo es um den Schutz eines gleichbedeutenden Wertes geht (konkret, nur wenn das Leben der Mutter gefährdet ist, also der sogenannte therapeutische Schwangerschaftsabbruch);
  • Jene Position, welche dem Zeugungsprodukt zwar den Wert menschlichen Lebens, jedoch nicht den Status einer Person zuordnet , Status, der erst mit der Geburt erfolgt. Daraus folgt die Möglichkeit, in erster Linie die Gesundheit und das Wohlergehen (d.h. die Lebensqualität) der Frau zu schützen und daher den Abbruch der Schwangerschaft vorzunehmen, u.z. unter bestimmten Bedingungen, je nach Reifegrad des Embryos und Risiko für die Frau;
  • Jene Position, welche sich auf die Fähigkeit einer moralisch gewichteten Entscheidung der Hauptbetroffenen, der schwangeren Frau beruft. Aus diesem Gesichtspunkt heraus ist es verständlich, dass in bestimmten Fällen eine Frau sich nicht in der Lage sieht, eine Schwangerschaft zu Ende zu führen und daher die ihr zur Verfügung stehenden gesetzlichen Möglichkeiten des Abbruchs in Anspruch nimmt, wohl wissend und im Bewusstsein des ethischen Konflikts, der sich aus der Tötung menschlichen Lebens ergibt.

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Zugang zum Schwangerschaftsabbruch in Südtirol